|
Ludmilla
kam als Tochter des böhmischen Herzogs Friedrich gegen 1170 in Olmütz
(Olomouc) zur Welt, in Mähren, in der heutigen Tschechischen Republik,
etwa 350 km nordöstlich von Straubing und Bogen. Ihre Großeltern
mütterlicherseits waren das ungarische Königspaar. Zur weiteren
Verwandtschaft dort zählte die hl. Elisabeth, eine jüngere Zeitgenossin
Ludmillas. Um 1184/85 nahm der Bogener Graf Albert III. Ludmilla zur
Frau – nicht der erste Kontakt des Windberg-Bogener Hochadels ins
benachbarte Böhmen. Graf Albert starb im Dezember 1198 an den Folgen
eines Kreuzzuges und hinterließ eine Witwe mit drei Söhnen. Sechs Jahre
später heiratete sie erneut und stand nun fast drei Jahrzehnte lang als
Herzogin von Bayern an der Spitze des Landes. Nach dem Tod ihres
zweiten Gatten, der 1231 in Kelheim ermordet wurde, zog sich Ludmilla
an die Isar bei Landshut zurück, in die Stadt, die Ludwig der Kelheimer
im Jahr seiner Eheschließung gegründet hatte. In Seligenthal, stiftete
sie 1232 das erste Zisterzienserinnen-Kloster in Bayern. Ludmilla starb
im August 1240, wurde in Seligenthal begraben und von den
Zisterzienserinnen dort bis heute verehrt. Im Kloster Seligenthal
findet sich auch die einzige Darstellung der zu feiernden
Persönlichkeiten: Holzfiguren des bayerischen Herzogspaares Ludmilla
und Ludwig, der Herzog schon mit dem weißblauen Wappenschild, dem alten
Bogener, in der Hand.
[Karl Böhm, Kulturreferent und Archäologe, Landkreis Straubing-Bogen]
Die Sage - Das Täuschungsmanöver der Gräfin
Herzog Ludwig besuchte oft die Bogener Gräfin Ludmilla und beteurte ihr
seine Liebe. Aber Ludmilla war sich nicht sicher, ob es Ludwig wirklich
ernst meinte. Deshalb wollte sie ein Versprechen, bei dem ihre drei
Lieblingsritter als Zeugen dabei sein sollten. Das aber lehnte Ludwig
ab. Deshalb griff die Gräfin zu einem Trick. Als Ludwig sie wieder
einmal besuchen kam, versteckte sie die drei Ritter hinter einem
Wandteppich. Auf dem Wandteppich waren die Ritter auch abgebildet. Als
Ludmilla ihren Geliebten erneut auf ein Eheversprechen drängte, dachte
sich Ludwig nichts dabei, ihr die ewige Liebe vor den drei Rittern auf
dem Wandteppich zu schwören.
Erst nach seinem Schwur merkte er, dass hinter dem Teppich echte Ritter
waren. Obwohl er zuerst sehr verärgert war, heiratete er Ludmilla
schließlich doch.
|